LORE: Daten und Dokumente

»Von der Jugend hängt die Zukunft des Deutschen Volkes ab«
Daten und Dokumente zur Erziehung im Nationalsozialismus

7. April 1933: Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums schafft die formalrechtliche Grundlage zur Entlassung von jüdischen und politisch mißliebigen Lehrern.
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25. April 1933: Das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen führt die „Rassenzugehörigkeit“ als Kriterium für den Zugang zu höheren Schulen und zum Studium ein und begrenzt den Anteil jüdischer Schüler und Studenten auf den jüdischen Anteil an der Gesamtbevölkerung von knapp einem Prozent. Bis 1935 halbiert sich die Zahl jüdischer Schüler an den öffentlichen Schulen.
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Richtlinien zur Rassenkunde im Unterricht, 1935

„(...) Die Rassenkunde, die auf den Ergebnissen der Erblehre aufgebaut ist, hat vor allem darauf hinzuweisen, daß der Schüler den Unterschied zwischen Rasse und Volk und weiter die Begriffe Nation, Sprach-, Kultur- und Bekenntnisgemeinschaft klar erfaßt. Bei der Besprechung der europäischen Rassen und insbesondere der Rassenkunde des deutschen Volkes muß das nordisch-bestimmte Rassengemisch des heutigen deutschen Volkes gegenüber andersrassigen, fremdvölkischen Gruppen, besonders also dem Judentum gegenüber, herausgestellt werden. Wichtig ist die Tatsache, daß allen deutschen Stämmen und allen Volksgenossen Einschläge nordischen Blutes gemeinsam sind und daß dieses uns in Wahrheit blutmäßig zusammenhält. Hier liegt die biologisch-rassenkundliche Grundlage des Erlebnisses der Volksgemeinschaft.

(...) Es muß betont werden, daß das äußere russische Erscheinungsbild nicht den Anlagen und inneren Eigenschaften zu entsprechen braucht und daß das sicherste Kennzeichen einer Rasse die charakterlich-seelische und geistige Haltung und Leistung ist (vergl. die Rede des Führers auf der Kulturtagung in Nürnberg 1933).

Die Gefahren der Rassenmischung mit fremdartigen Gruppen, besonders solchen mit außereuropäischen Bestandteilen, sind nachdrücklich darzustellen, da Völker und Kulturen ihrer Sendung nur dann gerecht werden können, wenn sie die durch ihre Rasse bedingte Aufgabe in ihrer Geschichte erfüllen, d. h. also rein aus eigener Art nach eigenen Zielen streben. Jede Vermischung mit wesensfremden Rassen (leiblich oder geistig-seelisch) bedeutet für jedes Volk Verrat an der eigenen Aufgabe und damit am Ende Untergang. Grund der Ausschaltung fremdrassiger Gruppen ist also nicht etwa die Überzeugung von der besonderen Schlechtigkeit, sondern lediglich die Feststellung ihrer unabweislichen Andersartigkeit.

(...) Bei dieser lebensgesetzlichen Art der Geschichtsbetrachtung erweist sich aber auch die ungeheure, weit über unser Volk hinausreichende kulturliche Bedeutung der nationalsozialistischen Erneuerung unserer Tage. Denn sie ist der erste große und vielleicht auch der letztmögliche Versuch, die nordrassische Kultur Europas vor dem Verderb durch Fremdtum zu bewahren und sie zu erneuern. (...) Was für die Geschichte gesagt ist, gilt entsprechend für Deutsch, Kunstunterricht und auch Singen. Sie alle haben sich bei germanisch-deutschen Wesens einzuordnen, sowohl in wertender Rückschau wie in vorschauendem Aufbauwillen. (...) Daß vor allem den Leibesübungen eine überragende Bedeutung zukommt, versteht sich von selbst. Der nordrassische schöne und gesunde Körper sowie gestählter Wille sind hier das Zielbild.

Berlin, 15. Januar 1935. Der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung. Rust.

(Quelle: Zentralblatt für die Unterrichtsverwaltung in Preußen, Berlin)
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Kinderspielzeug, angeboten vom 1933 gegründeten „Reichsverband der Deutschen Spielwaren-, Korbwaren- und Kinderwagenhändler“, zum Beispiel: Das „Braune Haus“, benannt nach dem Vorbild der Münchner Zentrale der NSDAP, mit abnehmbarem Dach und Beleuchtung; oder die Mercedes-Kabrio-Limousine, mit „Führerfigur“, den Arm zum „deutschen Gruß“ erhoben, ein originalgetreues Spielzeugmodell des von Adolf Hitler bevorzugten Mercedes „770 K“.

15. September 1935: Das Reichsbürgergesetz und das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre, die sogenannten „Nürnberger Gesetze“, gießen die nationalsozialistische Rassenlehre in Gesetzesform. Die jüdische Bevölkerung wird entrechtet, Eheschließungen zwischen Nichtjuden und Juden verboten, Geschlechtsverkehr zwischen Nichtjuden und Juden als „Rassenschande“ bewertet.
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Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wandelte sich die Hitlerjugend (HJ) durch das bis 1935 abgeschlossene Verbot sämtlicher konkurrierender Jugendverbände von einer Parteijugend zur Staatsjugend. War die Mitgliedschaft bis dahin formal freiwillig, wird sie mit dem Gesetz über die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936 verpflichtend. Die Zahl der HJ-Mitglieder stieg von rund 100.000 im Jahr 1932 auf 8,7 Millionen 1939. Die uniformiert auftretende und militärisch organisierte HJ gliederte sich nach Altersgruppen und Geschlecht: Das Deutsche Jungvolk (DJ) erfasste die 10- bis 14-jährigen Jungen, die eigentliche HJ die 14- bis 18-jährigen Jungen.
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Gesetz über die Hitlerjugend

Von der Jugend hängt die Zukunft des Deutschen Volkes ab. Die gesamte deutsche Jugend muß deshalb auf ihre künftigen Pflichten vorbereitet werden.
Die Reichsregierung hat daher das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

§1. Die gesamte deutsche Jugend innerhalb des Reichsgebietes ist in der Hitlerjugend zusammengefaßt.

§2. Die gesamte deutsche Jugend ist außer in Elternhaus und Schule in der Hitlerjugend körperlich, geistig und sittlich im Geiste des Nationalsozialismus zum Dienst am Volk und zur Volksgemeinschaft zu erziehen.

§3. Die Aufgabe der Erziehung der gesamten deutschen Jugend in der Hitlerjugend wird dem Reichsjugendführer der NSDAP übertragen. Er ist damit „Jugendführer des Deutschen Reichs”. Er hat die Stellung einer Obersten Reichsbehörde mit dem Sitz in Berlin und ist dem Führer und Reichskanzler unmittelbar unterstellt.

§4. Die zur Durchführung und Ergänzung dieses Gesetzes erforderlichen Rechtsverordnungen und allgemeinen Verwaltungsvorschriften erläßt der Führer und Reichskanzler.

Berlin, den 1. Dezember 1936
Der Führer und Reichskanzler: Adolf Hitler

(Quelle: Reichsgesetzblatt 1936 I S. 993)
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Kinderbücher wie das auflagenstarke, im Nürnberger Stürmer-Verlag erschienene „Trau keinem Fuchs ...“ prägten „Führers Jugend“ in Reimen wie: „Den deutschen Führer lieben sie. Den Gott im Himmel fürchten sie. Die Juden, die verachten sie. Die sind nicht ihresgleichen; drum müssen sie auch weichen!“
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Freizeit und Unterhaltung: Das Kino und mit ihr die vor den Filmen gezeigten Wochenschauen gewannen, unterstützt durch die nationalsozialistische Politik, zunehmend an Bedeutung. Beliefen sich die Besucherzahlen in der Saison 1934/35 auf rund 250 Millionen Besucher, waren es 1939 bereits über eine Milliarde jährlich. Durch Verbreitung des auf Veranlassung des Propagandaministeriums entwickelten „Volksempfängers“ erhöhte sich die Ausstattung der deutschen Haushalte mit Radiogeräten von 25% 1933 auf 65% 1941.
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An die Ministerialabteilung für die Volksschulen
Betrifft: Verweigerung des Hitler-Grußes durch Schüler

Bei aller Würdigung des Grundsatzes, daß der Glaube eines jeden eigenste Angelegenheit ist, die er nur vor seinem Gewissen zu verantworten hat, kann es doch nicht geduldet werden, daß durch angebliche Gewissensbedenken weniger Personen die Anordnungen der staatlichen Stellen durchkreuzt werden und die Volksgemeinschaft gestört wird. Ich kann nicht anerkennen, daß es aus Gewissensgründen unmöglich ist, den Deutschen Gruß darzubringen, und damit dem Führer und Kanzler des Deutschen Reiches Heil für seine Arbeit im Dienste des Volkes zu wünschen. Schüler, die sich auf Anweisung der Eltern weigern, den vorgeschriebenen Gruß zu erweisen, stören und schädigen die Schulgemeinschaft und können deshalb nicht in der Schule belassen werden. Da es aber andererseits auch nicht zulässig ist, solche Schüler, soweit sie noch im schulpflichtigen Alter sind, ohne die notwendige Schulbildung zu lassen und sie so der Gefahr der Verwahrlosung auszusetzen, muß in solchen Fällen die sofortige Fürsorgerziehung in die Wege geleitet werden. (...) Die zuständigen Bezirksschulämter werden hiermit beauftragt, die Eltern, die nach den vorliegenden Berichten ihre Kinder dazu anhalten, die Erweisung des Deutschen Grußes zu verweigern, in diesem Sinne und in allem Ernst aufzuklären. Verharren sie trotzdem auf ihrem Standpunkt, dann ist beim zuständigen Amtsgericht unter Mitteilung dieses Erlasses unverzüglich die vorläufige Fürsorgeerziehung gemäß § 67 des Reichsgesetze für Jugendwohlfahrt zu beantragen.

Der Kulturminister. – Gez.Mergenthaler
Stuttgart, 29. April 1937

(Quelle: Zit. nach Bohn, W.: Stuttgart Geheim; Frankfurt 1978, S. 112)
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Der Bund Deutscher Mädel (BDM), im Juni 1930 als Gliederung der HJ, war wie die HJ untergliedert in den Jungmädelbund (JM) der 10- bis 13jährigen und den Bund Deutscher Mädel der 14- bis 17jährigen. 1938 wurden zudem das Werk „Glaube und Schönheit“ für die 17- bis 21jährigen Frauen gegründet.
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Der halbjährige Reichsarbeitsdienst (RAD), der ab 1935 für männliche Jugendliche der HJ folgte, diente zunehmend der vormilitärischen Erziehung und körperlichen Ertüchtigung. Körperliche Ausbildung und Körperkult wurden in NS-Organisationen, Schulen und den rund 43.000 ab 1934 im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DRL) gleichgeschalteten Sportvereinen umgesetzt. Mit der Einführung der Jugenddienstpflicht am 25. März 1939 wurden die Jugendlichen in HJ und BDM noch umfassender in vormilitärische und kriegsunterstützende Tätigkeiten eingebunden.

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Die Zusammenstellung der Daten und Dokumente folgt im wesentlichen den Darstellungen des Deutschen Historischen Museums/Lebendiges Museum Online zum Alltagsleben im Nationalsozialismus:
www.dhm.de/lemo/html/nazi/alltagsleben/index.html

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